Knigge

Alltag und Öffentlichkeit

18 Quellen
Kurz gesagt

Aus „Ladies first“ ist „people first“ geworden: Tür aufhalten, Platz anbieten und Rücksicht nehmen gilt für alle gegenüber allen. Handy in der Öffentlichkeit lautlos, Telefonate kurz und leise. Eine Entschuldigung ist kurz, ehrlich und ohne „aber“.

Tür aufhalten

  • Laut einem Medienbericht (heidelberg24, nicht geprüft) nennt die Vorsitzende des Deutschen Knigge-Rats das Türaufhalten eine zeitlose, wertschätzende Geste – Männer für Frauen, aber genauso für jeden, der direkt hinter einem kommt. „Ladies first“ wandelt sich zu „people first“. Schon 2006 hielt der Knigge-Rat fest: Nicht das Geschlecht soll entscheiden, wem man den Vortritt lässt, sondern die Situation. 2017 fragte der Knigge-Rat, ob man Türen aufhält oder den Sitzplatz anbietet, um zu „punkten“ – oder weil man Menschen Respekt, Wertschätzung und Achtung entgegenbringt.
  • Faustregel: Wer zuerst an der Tür ist, hält sie für die nächste Person auf, wenn diese höchstens ein paar Schritte entfernt ist – sonst muss sie hinterherhetzen.
  • Bei Menschen mit Kinderwagen, Gepäck, Rollator oder vollen Händen immer.
  • Danke sagen, wenn einem die Tür aufgehalten wird.
  • Spielraum: Manche Frauen empfinden das betonte Aufhalten, Mantel-Halten o. Ä. als übergriffig oder bevormundend. Der Knigge-Rat empfiehlt, solche Kavaliersgesten unaufdringlich anzubieten („Darf ich Ihnen in den Mantel helfen?“) statt sie aufzudrängen – dann kann die andere Person annehmen oder es selbst tun. Umgekehrt darf, wer Hilfe möchte, sie freundlich erbitten.
  • Restaurant/unbekannte Räume: Traditionell geht der Mann vor, um „den Weg zu sichern“; heute geht vor, wer den Tisch reserviert hat bzw. sich auskennt.

Bus, Bahn und Aufzug

  1. Erst aussteigen lassen, dann einsteigen; neben der Tür warten.
  2. Rucksack im vollen Fahrzeug abnehmen und vor die Füße stellen.
  3. Sitzplätze: Für Taschen ist kein Sitzplatz da. Älteren, Schwangeren, Menschen mit Behinderung oder kleinen Kindern Platz anbieten – keine Pflicht, aber laut einer Umfrage (2015, nicht geprüft) halten 94 % das für wichtig. Gekennzeichnete Plätze freimachen, wenn jemand sie braucht.
  4. Angebot ablehnen? Freundlich: „Danke, ich stehe gern.“ Nicht beleidigt sein, wenn das Angebot abgelehnt wird.
  5. Essen: Kein stark riechendes Essen (Döner, Fisch) in vollen Fahrzeugen; Getränke mit Deckel.
  6. Füße nicht auf die Sitze.
  7. Musik nur über Kopfhörer, Lautstärke so, dass Nachbarn nichts mithören.
  8. Rolltreppe: rechts stehen, links gehen.
  9. Aufzug: Erst aussteigen lassen; wer an den Knöpfen steht, fragt „Welche Etage?“.

Handy in der Öffentlichkeit

Laut einem Medienbericht (CIO, nicht geprüft) hält der Knigge-Rat das Smartphone in Bus, Bahn und jeder „Wartezeit“ für erlaubt – aber lautlos, und lange Telefonate in Gegenwart anderer sind zu vermeiden.

  • Telefonieren kurz und leise; Privates, Gesundheitliches, Geschäftsgeheimnisse nicht laut im Zug.
  • Lautsprecher (Telefon, Videos, Sprachnachrichten) in der Öffentlichkeit nicht ohne Kopfhörer.
  • Ruhebereiche in Zügen (z. B. Ruhebereich im ICE) respektieren: dort nicht telefonieren.
  • Im Gespräch mit Menschen (Kasse, Beratung, Bäckerei, Apotheke) Handy weg – nicht nebenbei telefonieren. Der Knigge-Rat nennt das Telefonieren mit dem Handy am Ohr beim Einlösen eines Rezepts ausdrücklich als Unsitte; in der Apotheke außerdem Diskretionsabstand halten.
  • Nicht beim Gehen auf das Display starren und andere anrempeln.
  • Andere Menschen (besonders Unfallopfer, Kinder) nicht ungefragt fotografieren oder filmen.

Achtung: Bei Unfällen oder Notfällen zuerst helfen bzw. Notruf 112 wählen – nicht filmen. Gaffen an Unfallstellen und Fotografieren von Verletzten bzw. Verstorbenen kann strafbar sein.

Entschuldigen

Punkte 1–4 und 6 sind gängige Praxis (nicht geprüft).

  1. Zeitnah, möglichst persönlich.
  2. Konkret benennen: „Es tut mir leid, dass ich gestern deine Nachricht ignoriert habe.“
  3. Kein „aber“ und kein „falls du dich verletzt fühlst“ – das relativiert.
  4. Verantwortung übernehmen, Wiedergutmachung anbieten, wo möglich.
  5. „Ich entschuldige mich“ galt früher als unangemessen, weil es als „sich selbst von Schuld freisprechen“ verstanden wurde; der Verursacher konnte nur um Entschuldigung bitten. Die Bedeutung hat sich gewandelt, im Alltag ist beides verbreitet (Wikipedia: Entschuldigung). Höflicher bleibt: „Ich bitte um Entschuldigung“ oder „Es tut mir leid“.
  6. Kleine Missgeschicke (angerempelt, auf den Fuß getreten): kurzes „Entschuldigung!“ oder „Sorry!“ reicht.

Eine Entschuldigung annehmen: „Danke, dass du das ansprichst. Schon okay.“ – nicht nachtreten.

Komplimente

  • Ehrlich, persönlich und konkret: „Ich finde es beeindruckend, wie …“ bzw. „Dein Vortrag war super strukturiert“ statt „Du bist toll“ (Knigge-Rat: das Kompliment als persönliche Rückmeldung).
  • Auf Leistung, Geschmack oder Entscheidungen beziehen (Vortrag, Kuchen, Jacke), nicht auf Körper oder Figur – Knigge-Rat: „vom schönen Kleid und nicht der Figur darin“ sprechen; im Beruf auf Komplimente zu Äußerlichkeiten ganz verzichten und stattdessen Zusammenarbeit oder Arbeitsleistung loben.
  • Ohne Vergleich oder Bewertung: Nicht „Heute wirkst du viel besser gelaunt als gestern“, sondern „Deine positive Ausstrahlung ist heute richtig ansteckend“ (Knigge-Rat).
  • Nicht gegenüber Fremden auf der Straße zu Aussehen („Catcalling“) – das ist kein Kompliment, sondern Belästigung.
  • Ohne Gegenleistung: Kein Kompliment als Einstieg in eine Bitte.
  • Komplimente annehmen: „Danke, das freut mich!“ – nicht abwiegeln („Ach, das alte Ding“). Laut Knigge-Rat genügt ein „Danke“ mit einem Lächeln; Herunterspielen hinterlässt beim Gebenden einen schalen Nachgeschmack.

Allgemeine Alltagshöflichkeit

  • „Bitte“, „Danke“, „Guten Tag“ und „Auf Wiedersehen“ – auch an der Kasse, beim Busfahrer, bei der Paketbotin.
  • In der Schlange: nicht vordrängeln; wer nur ein Teil hat, kann gefragt werden, ob er vorgehen möchte.
  • Auf Gehwegen und in engen Gängen rechts gehen, nicht zu viert nebeneinander.
  • Husten und Niesen in die Armbeuge, nicht in die Hand (BfR).
  • Müll mitnehmen bzw. richtig entsorgen (siehe Mülltrennung).

Häufige Fehler

  • Tür vor der Nase zufallen lassen.
  • Mit Rucksack auf dem Rücken im vollen Bus stehen.
  • Lautes Telefonieren oder Videos ohne Kopfhörer.
  • Entschuldigung mit „aber“.
  • Komplimente über das Aussehen von Fremden.

Siehe auch: Begrüßung und Vorstellen, Kommunikation: Mails und Messenger, Nachbarschaft

Quellen 18

Nicht geprüft (Seite nicht erreichbar):