Knigge

Tischmanieren

17 Quellen
Kurz gesagt

Besteck von außen nach innen benutzen, Brot brechen statt schneiden, mit dem Essen warten, bis alle etwas haben, und das Handy bleibt vom Tisch. Die Besteckstellung „20 nach 4“ heißt „fertig“, gekreuzt bzw. „20 nach 8“ heißt „Pause“.

Besteck

  • Reihenfolge: Von außen nach innen, pro Gang ein Besteckpaar. Gabeln links, Messer und Suppenlöffel rechts, Dessertbesteck quer oberhalb des Tellers.
  • Haltung: Messer rechts, Gabel links. Messer nicht ablecken, nicht damit gestikulieren.
  • Einmal benutzt, nie mehr auf den Tisch: Benutztes Besteck liegt auf dem Teller, nicht halb auf der Tischdecke – das verschmutzt das Tischtuch und behindert den Service beim Abräumen (Knigge-Rat).
  • Im Alltag ist es in Ordnung, Gerichte ohne Messer nur mit der Gabel in der rechten Hand zu essen.

Besteck-Parksignale

Signal Stellung Bedeutung
Pause Messer und Gabel an den Spitzen gekreuzt auf dem Teller (Wikipedia: Tischsitte); verbreitet ist auch die Variante Griffe auf ca. 4 und 8 Uhr, Spitzen zueinander („20 nach 8“, nicht geprüft) „Ich esse noch“ – Teller bleibt stehen
Fertig Messer und Gabel parallel rechts auf dem Teller, Griffe auf ca. 4 Uhr („20 nach 4“ bzw. „4:20-Uhr-Position“, Knigge-Rat), Messerschneide zeigt zu einem selbst „Kann abgeräumt werden“

Im Restaurant verstehen Servicekräfte diese Signale meist; zu Hause ist es Nebensache.

Serviette

  1. Nach dem Platznehmen auf den Schoß legen und dort vor und während des Essens lassen (Knigge-Rat); bei großen Servietten einmal gefaltet, Bruchkante zum Körper.
  2. Vor jedem Schluck aus dem Glas kurz die Lippen abtupfen – vermeidet Fettränder.
  3. Kurz aufstehen: Serviette links neben den Teller legen (nicht auf den Stuhl).
  4. Nach dem Essen links neben den Teller legen – sie muss laut Knigge-Rat nicht unbedingt gefaltet, sollte aber auch nicht allzu zerknittert sein.

Abweichende Angaben: Einige Ratgeber nennen für die kurze Pause den Stuhl als Ablageort; mehrheitlich wird „links neben den Teller“ empfohlen.

Brot

  • Brötchen oder Brotscheibe in mundgerechte Stücke brechen („Bröckchen-Technik“), jedes Stück einzeln bestreichen und essen, erst dann das nächste abbrechen.
  • Nicht aufschneiden, nicht ganz bestreichen und abbeißen (gilt bei formellen Essen). Unter Deutschen ist das „Stulle schmieren“ – Brot bestreichen, belegen und mit der Hand oder Messer und Gabel essen – laut Knigge-Rat völlig in Ordnung; im internationalen Kreis erst schauen, wie es die anderen machen.
  • Brotteller steht links.
  • Brot nicht in die Suppe tunken (formell); Soße mit einem Stück Brot auf der Gabel aufnehmen ist in lockerer Runde akzeptiert.

Haltung

  • Aufrecht sitzen, Essen zum Mund führen – nicht den Kopf zum Teller beugen.
  • Hände bzw. Handgelenke liegen sichtbar auf dem Tisch, nicht im Schoß.
  • Ellbogen bleiben vom Tisch, solange gegessen wird. Zwischen den Gängen, beim Gespräch, ist ein kurz aufgestützter Unterarm heute verbreitet.
  • Mit vollem Mund nicht sprechen, mit geschlossenem Mund kauen.

Wann anfangen?

  1. Warten, bis alle am Tisch ihr Essen haben.
  2. Privat: Die Gastgeberin/der Gastgeber eröffnet („Guten Appetit“ oder durch Beginnen).
  3. Bei großen Runden (ab ca. 8 Personen) oder wenn Gerichte nacheinander kommen: Wer schon hat, darf anfangen, sobald die Gastgeber dazu auffordern („Bitte fangt an, sonst wird es kalt“).
  4. „Guten Appetit“ wünschen ist in Deutschland verbreitet und nicht unhöflich – auch wenn ältere Knigge-Bücher es für unnötig hielten.

Handy am Tisch

  • Laut Deutschem Knigge-Rat gehören Handy und Schlüssel nicht auf den Restauranttisch – das Handy lenkt ab, nimmt Platz weg und kann von der Ernsthaftigkeit des Anlasses ablenken; auch Geldbeutel gehören in die Tasche.
  • Gängige Praxis: lautlos, nicht auf dem Tisch ablegen (auch nicht mit dem Display nach unten).
  • Spielraum: Erwartet man einen dringenden Anruf (Kinderbetreuung, Bereitschaft), vorher ankündigen und zum Telefonieren den Tisch verlassen. Kurz gemeinsam Fotos ansehen ist in lockerer Runde okay, wenn alle mitschauen.
  • Kinder lernen den Umgang mit dem Handy bei Tisch am Vorbild der Eltern – darauf weist laut Medienbericht ein Mitglied des Knigge-Rats hin (nicht geprüft); der Knigge-Rat betont allgemein, wie wichtig es ist, Kindern Umgangsformen vorzuleben.

Suppe und Nudeln

Gängige Praxis aus Benimmratgebern (nicht geprüft). Belegt ist allgemein: laute Essgeräusche sind verpönt, große Portionen in den Mund und Sprechen mit vollem Mund vermeiden (Wikipedia: Tischsitte).

Suppe

  • Löffel von sich weg oder seitlich füllen, nicht randvoll.
  • Seitlich bzw. von der Spitze zum Mund führen, nicht schlürfen, nicht pusten.
  • Klare Brühe in einer Tasse mit Henkel darf man trinken.
  • Rest: Teller leicht von sich weg kippen.
  • Löffel nach dem Essen im Suppenteller liegen lassen (bei Tasse auf der Untertasse).

Spaghetti und lange Nudeln

  • Mit der Gabel aufdrehen; ein Löffel als Hilfe ist erlaubt (in Italien gilt das eher als Anfängerhilfe).
  • Nicht schneiden, nicht schlürfen.
  • Kleine Portion aufdrehen, damit nichts herunterhängt.

Mehrere Gläser

  • Gläser stehen rechts oberhalb des Tellers, über den Messern.
  • Das Richtglas passt zur Hauptspeise und steht über dem Hauptgangmesser, auf Höhe des Dessertbestecks; schräg rechts davon können ein zweites Weinglas und ein Wasserglas auf einer diagonalen Linie stehen (Zwilling).
  • Vor jedem Schluck die Lippen mit der Serviette abtupfen, damit keine Fett- oder Lippenstiftränder am Glas entstehen (Wikipedia: Tischsitte).
  • Gängige Praxis (nicht geprüft): Benutzt wird von rechts nach links, also in der Reihenfolge der Gänge (z. B. Weißwein → Rotwein); Wasser jederzeit. Stielgläser am Stiel halten, damit der Wein nicht warm wird. Anstoßen mit kurzem Blickkontakt; in großer Runde reicht Erheben des Glases.

Weitere Kleinigkeiten

  • Muss man aufessen? Nein – laut Knigge-Rat muss heute niemand alles aufessen, was auf dem Teller angerichtet ist. Am Buffet lieber weniger nehmen und ein zweites Mal gehen. (In manchen Kulturen, etwa in Südostasien, heißt ein leerer Teller sogar „Nachschlag bitte“.)

  • Salz und Pfeffer werden zusammen weitergegeben.

  • Nicht über andere hinweg greifen – fragen: „Reichst du mir bitte …?“
  • Gräten und Kerne diskret mit der Gabel (bzw. Löffel) aus dem Mund nehmen und am Tellerrand ablegen.
  • Zahnstocher, Nase putzen, Lippenstift nachziehen: nicht am Tisch.

Häufige Fehler

  • Brötchen aufschneiden und wie ein Sandwich belegen (bei formellem Essen).
  • Benutztes Besteck auf die Tischdecke legen.
  • Anfangen, bevor alle ihr Essen haben.
  • Handy neben dem Teller.
  • Mit dem Messer in der Hand gestikulieren.

Siehe auch: Restaurant und Trinkgeld, Als Gast, Als Gastgeber

Quellen 17

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