Reinigungsmittel nicht mischen
Reiniger nie mischen und nie direkt nacheinander am selben Ort verwenden, ohne gründlich mit Wasser nachzuspülen. Gefährlichste Kombination: chlorhaltige Reiniger mit sauren Reinigern – dabei entsteht Chlorgas. Bei Beschwerden: frische Luft, örtlichen Giftnotruf anrufen, bei Atemnot den Notruf (in Deutschland: Giftnotruf des eigenen Bundeslandes, meist 0…-19240, Notruf 112).
Gefährliche Kombinationen
| Kombination | Was entsteht | Typische Situation |
|---|---|---|
| Chlorreiniger + Säure (WC-/Badreiniger, Entkalker, Essig, Zitronensäure) | Chlorgas | „Doppelt hält besser“ in der Toilette: Chlor-Gel + saurer WC-Reiniger |
| Chlorreiniger + Ammoniak/Stickstoffverbindungen (Salmiakgeist, Harnstoff im Urin) | Chloramine (reizen u. a. die Augen; typischer „Schwimmbadgeruch“) | Chlorreiniger im WC/Katzenklo, Glasreiniger mit Salmiakgeist |
| Chlorreiniger + Alkohol/Spiritus oder andere organische Stoffe | heftige Reaktion bis Brand- oder Explosionsgefahr (genannt u. a. bei Methanol, Aminen, Ameisensäure), reizende Dämpfe | Desinfizieren „nachbessern“ |
| Abflussreiniger + andere Reiniger | Hitze, Spritzer, je nach Mittel Gase | Abflussreiniger wirkt nicht, dann Säure oder zweites Produkt hinterher |
| Zwei verschiedene Abflussreiniger | heftige Reaktion, Spritzer von Lauge/Säure | Granulat (Natronlauge) + saures Produkt |
| Essig + Natron | Wasser, Salz (Natriumacetat), CO₂ | nicht gefährlich, aber chemisch weitgehend wirkungslos (siehe unten) |
Das BfR rät: nie ein chlorhaltiges Produkt mit anderen Reinigern mischen, insbesondere nie WC-Reiniger mit Chlorreiniger. Auch nacheinander angewendet können Chlorreiniger und Entkalker noch Chlorgas bilden – deshalb lüften und eine Weile warten (gesund.bund.de). Ammoniak- und Alkoholzeile: Chloramine entstehen aus Chlor und stickstoffhaltigen Verbindungen wie Harnstoff; Natriumhypochlorit reagiert mit Aminen, Methanol und organischen Stoffen gefährlich (Wikipedia). Die Abflussreiniger-Zeilen beruhen auf allgemeinem Chemiewissen (Erfahrungswert).
Chlorhaltig sind z. B. Produkte mit Natriumhypochlorit („Aktivchlor“): viele Hygiene- und Schimmelreiniger, Chlor-WC-Gele, einige Abflussreiniger-Schäume. Stiftung Warentest weist bei einem Abfluss-Schaum auf Bleichmittel auf Chlorbasis als Hauptwirkstoff hin – wer z. B. mit Essigreiniger „nachhilft“, riskiert giftige Gase.
Essig + Natron: harmlos, aber nutzlos
Natron (Natriumhydrogencarbonat, basisch) und Essig (Säure) neutralisieren sich. Das Sprudeln ist entweichendes CO₂ – es sieht nach Wirkung aus, übrig bleibt aber im Wesentlichen Salzwasser. Gegen Kalk wirkt dann nur noch die überschüssige Säure, gegen Fett nur das überschüssige Natron. Besser: ein Mittel nach dem anderen verwenden. Die Verbraucherzentrale Bayern nennt gegen Kalk und Urinstein nur Essigreiniger oder Zitronensäure, keine Kombination mit Natron.
Regeln für sicheres Putzen
- Nur ein Produkt pro Arbeitsgang. Vor einem zweiten Mittel gründlich mit klarem Wasser nachspülen bzw. Toilette mehrmals spülen.
- Chlorreiniger möglichst gar nicht verwenden – im Haushalt sind sie unnötig (siehe Reinigungsmittel-Übersicht).
- Etikett lesen: Hinweise wie „Nicht zusammen mit anderen Produkten verwenden. Kann gefährliche Gase (Chlor) freisetzen.“ ernst nehmen.
- Beim Putzen lüften, besonders in kleinen Bädern ohne Fenster.
- Nie umfüllen, schon gar nicht in Getränkeflaschen.
- Handschuhe tragen, bei Spritzgefahr (Abflussreiniger, Backofenspray) Schutzbrille.
Symptome einer Gasvergiftung
Häufigste Symptome in den Chlorgas-Meldungen an das BfR: Husten, Atemnot, Reizung der Atemwege und Augen, Übelkeit, Schwindel, Brustschmerzen, Blaufärbung (Zyanose).
- Stechender Geruch („Schwimmbad“), Augenbrennen, Tränen
- Husten, Kratzen im Hals, Engegefühl oder Schmerzen in der Brust, Atemnot
- Übelkeit, Schwindel, Kopfschmerzen
- Schwerste Folge: toxisches Lungenödem (Wasser in der Lunge), das sich auch verzögert entwickeln oder verschlechtern kann. Das BfR dokumentiert den Fall einer Frau, die nach einem stark sauren WC-Reiniger zusätzlich einen Hypochlorit-WC-Reiniger verwendete: rund eine Minute Chlorgas eingeatmet, schwere Atemnot, massives Lungenödem, sechs Tage Beatmung. Bei Reizgasen allgemein können Symptome erst nach 3 bis 72 Stunden auftreten; eine Latenz von bis zu 24 Stunden bis zum Lungenödem ist typisch für schlecht wasserlösliche Gase wie Phosgen, während das mäßig wasserlösliche Chlor vor allem Luftröhre und Bronchien reizt (Wikipedia: Reizgas). Deshalb nach Chlorgas auch bei anfangs leichten Beschwerden ärztlich abklären lassen.
Was tun bei Vergiftung
Gase eingeatmet
- Raum sofort verlassen, Tür schließen, wenn möglich von außen Fenster öffnen.
- Betroffene an die frische Luft bringen, beruhigen, Oberkörper hoch lagern.
- Giftnotruf anrufen (örtliches Giftinformationszentrum; Deutschland → siehe Abschnitt Nur Deutschland), Produktname bereithalten.
- Bei Atemnot, starkem Husten, Bewusstseinsstörung: Notruf.
- Auch bei leichten Beschwerden ärztlich abklären lassen (Lungenödem kann verzögert auftreten).
Reiniger verschluckt
- Ruhe bewahren, Reste aus dem Mund entfernen.
- Kein Erbrechen auslösen – ätzende Stoffe schädigen die Speiseröhre sonst ein zweites Mal.
- Sofort etwa 1 Glas Tee, Wasser oder Saft trinken lassen (BfR), nur wenn die Person bei Bewusstsein ist; kein Mineralwasser mit Kohlensäure, kein Brechreiz durch hastiges Trinken (BAG Mehr Sicherheit für Kinder). Kein Salzwasser – es kann selbst eine gefährliche Vergiftung auslösen (BfR-Podcast).
- Keine Milch – laut Giftnotruf der Charité überholt: Manche Stoffe lösen sich in der fettigen Milch besser und werden besser aufgenommen, Milch kann Erbrechen auslösen (BfR-Podcast; ebenso BAG Mehr Sicherheit für Kinder). Die ältere BfR-Broschüre (2017) erlaubt Milch nur notfalls, wenn ein Kind nichts anderes trinkt.
- Giftnotruf anrufen, Verpackung mitnehmen bzw. bereithalten.
- Ätzspuren an Lippen/Mund: sofort ins Krankenhaus. Bewusstlosigkeit, Krämpfe, Atemnot: Notruf.
Spritzer ins Auge / auf die Haut
- Auge: sofort mindestens 10 Minuten unter fließendem Wasser spülen (BfR), Lid vorsichtig offen halten, dann Augenarzt bzw. Notaufnahme. Viele Erste-Hilfe-Ratgeber nennen 10–15 Minuten.
- Haut: verschmutzte Kleidung ausziehen, mit viel Wasser spülen.
Mehr dazu: Erste Hilfe im Haushalt.
Giftnotruf
Die Nummer des örtlich zuständigen Giftinformationszentrums vorab heraussuchen, ins Handy speichern und an den Kühlschrank kleben (Deutschland → siehe Abschnitt Nur Deutschland). Beim Anruf hilft der UFI-Code auf dem Etikett (16 Zeichen): Damit erkennt der Giftnotruf sofort die Rezeptur; seit 1.1.2025 Pflicht auf allen als gefährlich eingestuften Gemischen (Verbraucherzentrale).
Kinder schützen
- Putzmittel immer unerreichbar für Kinder lagern, Schränke und Schubladen mit Sicherungen ausstatten; Putzmittel niemals in Getränkeflaschen umfüllen (BfR).
- Kindersichere Verschlüsse sind kein vollständiger Schutz: Lampen- und Duftöle gehören laut BfR nicht in Haushalte mit Kleinkindern, selbst mit kindersicherem Verschluss – Kinder trinken auch aus Duftlampen und Schälchen. Abflussreiniger (meist Natron- oder Kalilauge) können schwere Speiseröhrenverätzungen mit narbigen Verengungen verursachen (BfR).
- Als gefährliche Produkte nennt das BfR u. a. Abflussreiniger/Rohrreiniger, Backofen-/Grillreiniger, Entkalker, Essigessenz, Ammoniakzubereitungen und Lampenöle. Besonders gefährlich sind auch bleichende Putzmittel und Spülmittel für die Spülmaschine (BAG Mehr Sicherheit für Kinder). Waschmittel-Gelkapseln werden von Kindern oft mit Süßigkeiten verwechselt und sind höher konzentriert (gesund.bund.de).
- Eimer mit Putzwasser nie unbeaufsichtigt stehen lassen.
- Laut BfR-Podcast mit dem Giftnotruf der Charité ist kurzes Lecken an schäumendem Hand- oder Bodenreiniger in der Regel nicht gefährlich; etwas Fettiges (z. B. Butterbrot) wirkt entschäumend, danach beobachten – im Zweifel trotzdem anrufen.
GHS-Gefahrensymbole kurz erklärt
Schwarzes Symbol auf weißem Grund in rot umrandeter, auf der Spitze stehender Raute (GHS/EU-CLP; ältere Variante: orange Quadrate). Bedeutungen laut Verbraucherzentrale; die Spalte „Typisch bei“ ist Erfahrungswert.
| Symbol | Bedeutung | Typisch bei |
|---|---|---|
| Ätzwirkung (Reagenzglas tropft auf Hand/Fläche) | verätzt Haut, Augen, Metall | Abflussreiniger, Backofenreiniger, starke WC-Reiniger, Entkalker-Konzentrat |
| Ausrufezeichen | Gesundheitsgefahren: Hautreizung, akut schädliche Stoffe | viele Spülmaschinen- und Sanitärreiniger |
| Flamme | entzündbar | Spiritus, Sprays mit Treibgas |
| Umwelt (toter Fisch/Baum) | gewässergefährdend | manche Chlor- und Desinfektionsprodukte |
| Totenkopf | giftig/tödlich | im Haushalt kaum noch üblich |
| Gesundheitsgefahr (Mensch mit hellem Stern) | z. B. tödlich bei Verschlucken und Eindringen in die Atemwege, krebserzeugend, erbgutverändernd | einzelne Lösemittelprodukte |
Signalwörter: „Gefahr“ (schwerwiegendere Gefahren) bzw. „Achtung“ (niedrigerer Schweregrad) (Verbraucherzentrale). Produkte mit Ätz-Symbol nur, wenn wirklich nötig, und nie in Kinderreichweite.
Achtung: Wer nach dem Putzen hustet, Atemnot oder Brustschmerzen bekommt, nicht abwarten: Giftnotruf oder Notruf. Atembeschwerden können sich in den folgenden Stunden noch verschlimmern.
Nur Deutschland
Gilt nur für Deutschland bzw. hängt von Ort, Mietvertrag oder Gemeinde ab. Im Ausland die örtlichen Regeln prüfen.
Giftnotruf-Zentralen in Deutschland
Laut BfR-Verzeichnis (Stand 22.07.2026) gelten folgende Notrufnummern. Am besten das für das eigene Bundesland zuständige Giftinformationszentrum anrufen: Eine Internetsuche schlägt meist alphabetisch ein Zentrum vor, das dann schnell überlastet und schlecht erreichbar ist (Giftnotruf der Charité im BfR-Podcast). Die BAG Mehr Sicherheit für Kinder sagt dagegen, man könne jede Giftnotrufzentrale anrufen, egal wo man wohnt – beides ist richtig, die eigene Landeszentrale ist aber meist schneller erreichbar. Die Giftinformationszentren sind 24 Stunden am Tag erreichbar (gesund.bund.de).
| Zentrale | Telefon | Zuständig für |
|---|---|---|
| Berlin (Charité) | 030 19240 | Berlin, Brandenburg |
| Bonn (Universitätsklinikum) | 0228 19240 | Nordrhein-Westfalen |
| Erfurt (GGIZ) | 0361 730730 | Mecklenburg-Vorpommern, Sachsen, Sachsen-Anhalt, Thüringen |
| Freiburg (Universitätsklinikum) | 0761 19240 | Baden-Württemberg |
| Göttingen (GIZ-Nord) | 0551 19240 | Bremen, Hamburg, Niedersachsen, Schleswig-Holstein |
| Mainz (Universitätsmedizin) | 06131 19240 | Rheinland-Pfalz, Hessen, Saarland |
| München (TUM Klinikum Rechts der Isar) | 089 19240 | Bayern |
Die Zuständigkeiten für Erfurt, Göttingen und Mainz nennt das BfR-Verzeichnis ausdrücklich; für Berlin, Bonn, Freiburg und München ergibt sie sich aus dem Standort (nicht ausdrücklich im Verzeichnis).
Tipp: Nummer der eigenen Zentrale ins Handy speichern. Aktuelle Liste beim BfR. Die kostenlose BfR-App „Vergiftungsunfälle bei Kindern“ wählt direkt das für das jeweilige Bundesland zuständige Giftinformationszentrum (BfR-Podcast). Notruf bei Atemnot, Bewusstlosigkeit, Krämpfen: 112.
Quellen 16
- BfR: Giftinformationszentren in Deutschland (Verzeichnis, Stand 22.07.2026) – https://www.bfr.bund.de/deutsches-produktregister-depro/giftinformationszentren-in-deutschland/
- BfR: Risiko Vergiftungsunfälle bei Kindern (Verbraucherinfo 2017, PDF) – https://www.bfr.bund.de/cm/350/risiko-vergiftungsunfaelle-bei-kindern.pdf
- Risiko – Der BfR-Podcast: Vergiftungsunfälle bei Kindern: Was im Ernstfall zu tun ist (013) – https://podcast.bfr.bund.de/13-vergiftungsunfalle-bei-kindern-was-im-ernstfall-zu-tun-ist
- BfR (damals BgVV): Ärztliche Mitteilungen bei Vergiftungen 1990–1995 (PDF, Fall Chlorgasinhalation durch zwei WC-Reiniger) – https://www.bfr.bund.de/cm/350/aerztliche_mitteilungen_bei_vergiftungen1990_1995.pdf
- BfR (damals BgVV): Ärztliche Mitteilungen bei Vergiftungen 1999 (PDF, Symptome bei Chlorgasentstehung) – https://www.bfr.bund.de/cm/350/aerztliche_mitteilungen_bei_vergiftungen_1999.pdf
- Stiftung Warentest: Abflussreiniger-Schaum: Geduldsprobe mit Risiko – https://www.test.de/Abflussreiniger-Schaum-Geduldsprobe-mit-Risiko-23392-0/
- Verbraucherzentrale: Putzmittel und Chemikalien im Haushalt: Gefahrenzeichen und UFI-Codes – https://www.verbraucherzentrale.de/wissen/umwelt-haushalt/produkte/putzmittel-und-chemikalien-im-haushalt-gefahrenzeichen-und-uficodes-7527
- BAG Mehr Sicherheit für Kinder: Erste Hilfe bei Kindern – Vergiftungen – https://www.kindersicherheit.de/kindersicherheit/erste-hilfe/vergiftungen
- gesund.bund.de: Chemikalien im Haushalt – https://gesund.bund.de/chemikalien-im-haushalt
- gesund.bund.de: Vergiftungen (Giftnotruf) – https://gesund.bund.de/wege-im-gesundheitswesen/kindheit/notfaelle/giftnotruf
- Verbraucherzentrale Bayern: Umweltfreundliche Putzmittel: Vier Mittel reichen für den Hausputz – https://www.verbraucherzentrale.bayern/wissen/umwelt-haushalt/wohnen/umweltfreundliche-putzmittel-vier-mittel-reichen-fuer-den-hausputz-12742
- Wikipedia: Reizgas – https://de.wikipedia.org/wiki/Reizgas
- Wikipedia: Chloramine – https://de.wikipedia.org/wiki/Chloramine
- Wikipedia: Natriumhypochlorit – https://de.wikipedia.org/wiki/Natriumhypochlorit
Nicht geprüft (Seite nicht erreichbar):
- GGIZ Erfurt / BfR: Vergiftungen mit Reinigungs- und Desinfektionsmitteln (Abstract, PDF) – https://www.ggiz-erfurt.de/files/GGIZ-Erfurt/Dokumente/Publikationen/GGIZ/pub_abstract_vergiftungen_mit_reinigungs_und_desinfektionsmitteln.pdf
- Wikibooks: Erste Hilfe / Giftnotruf – https://de.wikibooks.org/wiki/Erste_Hilfe/_Giftnotruf