Sonstiges

Hitze: Wohnung kühl halten

Mit Abschnitt „Nur Deutschland“16 Quellen
Kurz gesagt

Tagsüber Fenster zu und von außen verschatten, gelüftet wird nachts und frühmorgens, wenn es draußen kühler ist. Ein Ventilator braucht nur einen Bruchteil des Stroms eines Klimageräts; mobile Monoblock-Geräte mit Abluftschlauch sind die ineffizienteste Lösung.

Lüften: nur, wenn es draußen kühler ist

  1. Tagsüber Fenster und Türen möglichst geschlossen halten, damit warme Außenluft nicht hereinkommt (Verbraucherzentrale, UBA).
  2. Lüften, sobald es draußen kühler ist als drinnen, meist abends, nachts oder am frühen Morgen. Ideal ist eine Nachtlüftung über mehrere Stunden, damit die im Gebäude gespeicherte Wärme entweicht. Die Fenster wieder schließen, sobald es draußen wärmer wird (Verbraucherzentrale).
  3. Durchzug: Fenster weit öffnen, gegenüberliegende Fenster gleichzeitig öffnen (Querlüften). In Maisonette-Wohnungen oder Häusern Fenster auf verschiedenen Etagen öffnen, dann zieht die warme Luft nach oben ab („Kamineffekt“) (Verbraucherzentrale).
  4. Auch tagsüber kurz stoßlüften, wenn viele Personen im Raum sind oder es stickig wird, um Feuchte und CO₂ hinauszulassen (UBA, Verbraucherzentrale). Bei Hitze dünsten Schadstoffe aus Möbeln und Bodenbelägen schneller aus: Laut Verbraucherzentrale gasen z. B. Flammschutz- und Lösemittel bei 35 °C erheblich schneller aus als bei 22 °C.
  5. Gegen Mücken bei Nachtlüftung hilft ein Fliegengitter (Verbraucherzentrale).

Grundlagen zum Lüften: Richtig lüften. Feuchte Kellerräume im Sommer nicht mit warmer, feuchter Außenluft lüften, sonst schlägt sich Feuchtigkeit an den kühlen Wänden nieder (siehe Schimmel vorbeugen und kleine Flächen entfernen).

Verschatten: außen schlägt innen

Sonnenschutz Wie viel Sonnenwärme wird abgehalten? Hinweise
Außenliegend: Rollläden, Raffstores, Fensterläden, Textilscreens 80–90 % möglich (UBA, Abminderungsfaktor F_C 0,1–0,2 nach DIN 4108-2) Am wirksamsten. Rollläden so schließen, dass die Lüftungsschlitze offen bleiben, sonst staut sich die Hitze zwischen Rollladen und Fenster (Verbraucherzentrale).
Rollladen zu drei Vierteln geschlossen lässt nur 25–30 % durch (co2online) Tagsüber geschlossen halten, auch bei Abwesenheit (co2online)
Markise, Sonnensegel hält Sonne auch von dahinterliegenden Fenstern fern Teuer, wind- und schmutzanfällig; in der Mietwohnung nur mit Zustimmung des Vermieters (Verbraucherzentrale)
Innenliegende Rollos, Plissees, Lamellen nur 5–45 % (UBA) Die Sonnenstrahlung ist schon im Raum. Helle oder reflektierende Materialien wählen (Verbraucherzentrale).
Innenvorhang lässt 65–70 % als Wärme herein (co2online) Möglichst hell, dunkle Stoffe heizen zusätzlich auf (UBA). Zugezogene Gardinen schützen vor Licht, kaum vor Wärme (Verbraucherzentrale).
Sonnenschutzfolie außen wirksamer als innen Außen montiert meist nur mit Zustimmung des Eigentümers; innen einfacher und günstiger, aber weniger wirksam (Verbraucherzentrale)

Achtung (Mietwohnung): Markisen, Außenjalousien, Außenfolien oder ein Split-Außengerät nur mit Zustimmung des Vermieters anbringen (Verbraucherzentrale, Deutscher Mieterbund). Mietvertrag bzw. Hausordnung prüfen; Rechtsprechung für Deutschland → siehe Abschnitt Nur Deutschland.

Ventilator

  • Ein Ventilator senkt die Raumtemperatur nicht, aber bewegte Luft kühlt die Haut, und das wirkt (UBA, Verbraucherzentrale).
  • Er braucht 20- bis 50-mal weniger Leistung als ein Klimagerät (UBA).
  • Grenze bei großer Hitze: Die WHO (englisch) rät, Ventilatoren nur bis etwa 40 °C Lufttemperatur zu nutzen – darüber heizt der Luftstrom den Körper eher auf; der britische Gesundheitsdienst NHS (englisch) nennt vorsichtiger unter 35 °C. Mit Klimagerät: Thermostat auf etwa 27 °C und zusätzlich Ventilator – fühlt sich laut WHO etwa 4 °C kühler an und spart Strom.
  • Kostenbeispiele mit deutschen Strom- und Gerätepreisen → siehe Abschnitt Nur Deutschland.

Klimageräte: Monoblock, mobiles Split, Split

Typ So funktioniert er Bewertung
Monoblock (mobil, Abluftschlauch) Ein Gerät, steckerfertig; heiße Abluft geht über einen Schlauch durch Fenster oder Tür nach draußen Wenig effizient: Durch den Unterdruck strömt warme Außenluft nach, und der Schlauch strahlt selbst Wärme ab (Verbraucherzentrale, test.de). Effizienz bis zu 7-mal geringer als bei fest installierten Geräten. Stiftung Warentest testet sie seit 2021 nicht mehr (beste Note nur 3,8). Das UBA rät, sie zu vermeiden und höchstens im Ausnahmefall zu nutzen.
Zweischlauch-Monoblock 2. Schlauch saugt Außenluft an In der Regel effizienter als Einschlauch-Geräte, weil kein Unterdruck entsteht (Verbraucherzentrale)
Mobiles Splitgerät Innen- und kleine Außeneinheit, durch eine vorbefüllte, dünne Leitung verbunden (Testgerät: 2,7 cm) Selbst aufstellbar, kein Wanddurchbruch. Effizienter und innen leiser als ein Monoblock; im Test 2025 (Midea Portasplit) Effizienz auf dem Niveau mancher fester Splitgeräte (test.de). Die Leitung geht aber durch einen Fensterspalt. Wird die Außeneinheit fest an Fassade oder Balkon montiert, braucht man die Zustimmung des Vermieters (Verbraucherzentrale).
Split-Klimagerät (fest) Außengerät an der Fassade, kleiner Wanddurchbruch Kühlt effektiv und effizient. Nur ein Fachbetrieb darf es installieren (Kältemittel). Mieter brauchen die Erlaubnis des Vermieters, bei Eigentumswohnungen muss die Eigentümergemeinschaft zustimmen (UBA, Verbraucherzentrale).

Wenn ein Klimagerät, dann so (UBA, Verbraucherzentrale):

  1. Die Kühltemperatur zunächst 3–4 °C unter der Außentemperatur einstellen, aber nicht unter 26 °C (UBA).
  2. Auf Energieeffizienzklasse (bis A+++), geringe Lautstärke (außen unter 55 dB) und das natürliche Kältemittel Propan (R-290, Blauer Engel) achten (UBA).
  3. Beim Monoblock den Fensterspalt abdichten (Stoffbahn mit Reißverschluss, passgenauer Einsatz). Den Schlauch kurz und knickfrei halten oder einen isolierten Schlauch verwenden (Verbraucherzentrale).
  4. Türen des gekühlten Raums geschlossen halten und das Gerät ausschalten, wenn niemand im Raum ist (Erfahrungswert; UBA: „Denken Sie ans Ausschalten“).

Achtung: Den Abluftschlauch niemals in Schornstein, Kamin oder Lüftungsschacht führen. Er kann giftige Abgase in die Wohnung zurückdrücken, und die feuchte Abluft kann Schimmelschäden verursachen (Verbraucherzentrale). Vorsicht bei „Klimageräten ohne Abluftschlauch“: Stiftung Warentest warnt vor dem „Epicooler“, der nicht kühlt, sondern eine Art PC-Lüfter ist.

Wärmequellen in der Wohnung reduzieren

  • Nicht benötigte Geräte ausschalten (Drucker, Kaffeemaschine, Fernseher, unnötiges Licht). Jedes laufende Gerät heizt mit (UBA). Standby mit schaltbarer Steckdosenleiste abschalten (co2online); siehe Strom sparen.
  • Backofen und lange Kochzeiten an heißen Tagen meiden und kalte oder schnelle Gerichte wählen (Erfahrungswert).
  • Waschmaschine/Spülmaschine: Sparprogramme erwärmen das Wasser weniger und geben weniger Wärme an den Raum ab (co2online). Am besten abends oder nachts laufen lassen (Erfahrungswert).
  • Alte Kühlschränke geben mehr Wärme an die Küche ab (co2online). Den Kühlschrank nicht neben Herd, Heizung, Spülmaschine oder in die Sonne stellen: Pro Grad niedrigerer Umgebungstemperatur sinkt sein Verbrauch um etwa 3 % (co2online).
  • Wäsche an heißen Tagen draußen trocknen statt im Trockner (Erfahrungswert, siehe Wäsche an der Luft trocknen).

Lebensmittel bei Hitze

  • Keime vermehren sich im Sommer schneller. Kühlpflichtige Lebensmittel zuletzt einkaufen und schnell nach Hause bringen. Bei längeren Wegen eine Kühlbox mitnehmen oder den Einkauf auf frühe Morgen- oder späte Abendstunden legen (BfR).
  • Kühlschrank: höchstens 7 °C, besser unter 5 °C (BfR). Bei 4 °C machen 2 Grad mehr kaum etwas aus, bei 7 °C können leicht verderbliche Lebensmittel dann schneller verderben (BfR). Zonen: Kühlschrank: Zonen und Einräumen.
  • Reste innerhalb weniger Stunden auf unter 7 °C abkühlen (große Mengen in flache Schalen verteilen) und in 2–3 Tagen verbrauchen (BfR).
  • Rohe Eier meiden: Kartoffelsalat mit selbst gemachter Mayonnaise aus rohem Ei und Tiramisu können Erreger enthalten, die sich bei Wärme „explosionsartig“ vermehren. Das BfR rät im Sommer, darauf zu verzichten. Saucen, Marinaden und Dressings kühl halten und erst kurz vor dem Essen zugeben (BfR).
  • Brot verdirbt bei Hitze und hoher Luftfeuchte schneller. Bei schwülheißem Wetter können helle Brote und Toast ausnahmsweise kurz in den Kühlschrank, sonst Brot in Scheiben einfrieren (BZfE). Brot mit Schimmel komplett wegwerfen (BZfE). Mehr in Lebensmittel lagern.

Medikamente bei Hitze

  • Die meisten Arzneimittel lagert man am besten bei 15–25 °C: nicht auf der Fensterbank, nicht im Bad (Hitze, Feuchte) (aponet.de). Einige, z. B. Insulin, gehören in den Kühlschrank (Packungsbeilage beachten).
  • Hitzeschäden sieht man nicht immer: Asthmasprays können in der Sonne an Dosiergenauigkeit verlieren. Geschmolzene Zäpfchen sind auch nach dem Abkühlen unbrauchbar, Cremes können sich entmischen (aponet.de).
  • Im Auto: unter dem Vordersitz statt im Handschuhfach oder auf der Hutablage. Kühlpflichtige Mittel in der Kühlbox in ein Handtuch wickeln, damit sie am Kühlakku nicht einfrieren (aponet.de).
  • Wer regelmäßig Medikamente nimmt, bespricht mit Arzt oder Apotheke, ob Dosis oder Trinkmenge bei Hitze angepasst werden müssen (gesund.bund.de, sinngemäß). Siehe auch Hausapotheke und Verbandskasten.

Trinken und Gesundheit (kurz)

  • Täglich mindestens 1,5–2 Liter trinken: natriumreiches Mineral- oder Leitungswasser, Saftschorlen, ungesüßte Tees. Alkohol, Koffein und viel Zucker meiden. Bei Herz- oder Nierenerkrankungen die Trinkmenge mit dem Arzt absprechen (gesund.bund.de).
  • Leichte Mahlzeiten, Suppen, Brühen, wasserreiches Obst und Gemüse (gesund.bund.de).
  • Sich in den kühlsten Räumen aufhalten, besonders nachts. Abkühlen mit Dusche, Arm- und Fußbädern (gesund.bund.de). Auch ein feuchtes Tuch, Wassersprüher oder angefeuchtete leichte Kleidung auf der Haut kühlen (WHO, NHS; beide englisch); leichte, locker sitzende Kleidung und Bettwäsche (WHO).
  • Kinderwagen nie mit trockenem Tuch abdecken – darunter staut sich Hitze. Besser ein dünnes, nasses Tuch, das immer wieder angefeuchtet wird, ggf. zusammen mit einem kleinen Ventilator (WHO).
  • Besonders gefährdet sind Menschen ab 65, Alleinlebende mit eingeschränkter Mobilität, Pflegebedürftige, Säuglinge und Kleinkinder sowie Menschen mit Vorerkrankungen (gesund.bund.de). Bei Hitzewellen regelmäßig bei älteren Angehörigen und Nachbarn nachfragen, besonders bei Alleinlebenden und Menschen mit Herz-, Lungen- oder Nierenerkrankungen (WHO, NHS).

Achtung: Kinder oder geschwächte Menschen nie im geparkten Auto lassen, auch nicht kurz (gesund.bund.de). Anzeichen eines Hitzschlags sind Körpertemperatur über 40 °C, Kreislaufprobleme und Verwirrtheit. Dann sofort den Notruf wählen und die Person abkühlen. Erste Hilfe: Erste Hilfe im Haushalt, Notrufnummern: Notfälle im Haushalt.

Wenn die Wohnung dauerhaft zu heiß ist (Mietwohnung)

  • Ob übermäßige Hitze ein Mangel ist und Ansprüche gegenüber dem Vermieter begründet, hängt vom örtlichen Mietrecht ab → Regeln für Deutschland siehe Abschnitt Nur Deutschland.
  • Nachweis: an heißen Tagen täglich Innen- und Außentemperatur messen, am besten mit Speicherthermometer, möglichst mit Zeugen (test.de). Mängel schriftlich melden. Vorgehen: Mieter oder Vermieter – wer ist zuständig?.

Häufige Fehler

  • Tagsüber „zum Abkühlen“ lüften, obwohl es draußen heißer ist.
  • Nur innen verschatten, mit dunklen Vorhängen.
  • Rollläden ganz dicht schließen, sodass sich Hitze am Fenster staut.
  • Monoblock mit offenem Kippfenster ohne Abdichtung betreiben.
  • Klimagerät auf 20 °C stellen, das UBA rät zu nicht unter 26 °C.
  • Medikamente im Auto oder auf der Fensterbank liegen lassen.
  • Kühlschrank auf „irgendwas“ stehen lassen, ohne die Temperatur zu prüfen.

Nur Deutschland

Gilt nur für Deutschland bzw. hängt von Ort, Mietvertrag oder Gemeinde ab. Im Ausland die örtlichen Regeln prüfen.

Sonnenschutz in der Mietwohnung

  • Einem farblich angepassten Sonnenschutz muss der Vermieter laut DMB in der Regel zustimmen (AG Schöneberg 7 C 456/11).

Kosten (deutsche Strom- und Gerätepreise)

  • Kostenbeispiel (Verbraucherzentrale): Ein Ventilator mit 25–50 Watt kostet bei 900 Betriebsstunden im Jahr (10 Stunden an 90 Tagen) etwa 6–10 Euro Strom. Ein Klimagerät kostet je nach Typ 35–140 Euro im Jahr zusätzlich. Anschaffung: Ventilator ab etwa 30 Euro, Monoblock 300 bis über 1.000 Euro.
  • Stromkosten Monoblock (test.de, nach Que Choisir): 14 Tage lang 12 Stunden täglich in einem 9 m² großen Prüfraum kosten bei 40 Cent/kWh etwa 53–67 Euro. Im Alltag mit gekipptem Fenster eher mehr.

Mietrecht: Hitze in der Wohnung

  • Eine gesetzliche Höchsttemperatur für Wohnräume gibt es nicht. Laut Stiftung Warentest gibt es auch keine Regel, ab welcher Raumtemperatur man die Miete mindern darf. Die 26-°C-Grenze gilt für Arbeitsplätze, nicht für Wohnungen (test.de).
  • Laut Deutschem Mieterbund ist ein sommerlicher Temperaturanstieg allein kein Mangel, auch nicht im Dachgeschoss. Wird die Wohnung durch extreme Hitze praktisch unbewohnbar, kommen je nach Einzelfall Mietminderung, Schadensersatz oder Kündigung in Betracht.
  • Beispiele:
  • AG Hamburg, Urteil vom 10.05.2006, 46 C 108/04: 20 % Minderung. Tagsüber 30 °C, nachts über 25 °C trotz Lüften; der Wärmeschutz entsprach nicht den Vorschriften zur Bauzeit (test.de, DMB).
  • AG Frankfurt am Main, Urteil vom 19.06.2019, 33 C 299/19 (51): keine Minderung. Dem Mieter war bekannt, dass das Haus keine Klimaanlage hat und nachts gelüftet werden muss (test.de).
  • AG Leipzig 164 C 6049/04: Der Vermieter entscheidet, wie er den Mangel beseitigt. Außenjalousien kann der Mieter nicht verlangen (DMB).
  • Mängel schriftlich melden, bevor man mindert (Nachweis siehe oben). Im Zweifel den Mieterverein fragen.

Verwandte Notizen

Quellen 16