Knigge

Du oder Sie

14 Quellen
Kurz gesagt

Unter Erwachsenen, die sich nicht kennen, ist „Sie“ die höflichste Form und der sichere Start. Das „Du“ bietet im Beruf die ranghöhere Person an, privat die ältere – es muss angeboten und angenommen werden, ablehnen ist erlaubt. Viele Firmen, Vereine und Online-Räume duzen heute grundsätzlich; der Knigge-Rat kritisiert aber ein verordnetes Du.

Grundsätze

Situation Übliche Anrede
Fremde Erwachsene (Laden, Amt, Nachbarn beim ersten Kontakt) Sie
Kinder und Jugendliche bis ca. 16 Jahre Du (ab ca. 16 vielen lieber „Sie“ anbieten oder fragen)
Freunde, Familie, Sportverein, Studium Du
Junge Läden, Start-ups, Outdoor-/Sportgeschäfte, viele Marken häufig Du, wenn das Personal duzt
Behörden, Arztpraxis, Handwerker, Vermieter Sie

Wer bietet das Du an?

Kontext Wer bietet an
Beruf Ranghöhere Person (Vorgesetzte → Mitarbeitende)
Beruf, gleiche Ebene je nach Quelle: die ältere Person oder wer länger im Betrieb ist
Privat ältere Person → jüngere
Traditionell privat Dame → Herr (heute kaum noch beachtet)
Kunden-/Geschäftsbeziehung Kunde bzw. Auftraggeber

Widerspruch in den Quellen: Bei gleichrangigen Kollegen nennen einige Ratgeber das Alter, andere die Betriebszugehörigkeit als Kriterium. In der Praxis bietet meist an, wer sich in der Rolle sicher fühlt – und niemand nimmt es übel.

Geschlecht: Im Beruf spielt es laut aktuellem Knigge-Verständnis keine Rolle mehr; der Rang geht vor.

So bietet man das Du an

  1. Passenden Moment wählen (nicht mitten in einer Kritik oder Verhandlung).
  2. Als Frage formulieren, damit das Gegenüber ablehnen kann: „Wollen wir uns duzen? Ich bin Sabine.“
  3. Mit dem Vornamen verbinden.
  4. Ein Anstoßen ist privat schön, aber kein Muss.

Der Wechsel zum Du muss laut Knigge-Rat immer angeboten und angenommen werden. Wer anbietet, formuliert eine Frage und nicht gönnerhaft – auch gegenüber Jüngeren oder Mitarbeitenden: „Wäre es in Ihrem Sinne, wenn wir uns duzen?“

Ablehnen ist erlaubt: Laut Knigge-Rat gibt es keine Verpflichtung, ein von Älteren oder Vorgesetzten angebotenes Du anzunehmen. Wichtig ist, freundlich und nicht brüsk abzulehnen: „Wären Sie mir sehr böse, wenn wir noch eine Weile beim Sie bleiben?“ oder „Bitte nehmen Sie es mir nicht übel, aber das geht mir gerade etwas zu schnell.“

Kein Zurück?

Ein einmal angebotenes Du gilt als dauerhaft. Einige Ratgeber halten den Rückweg zum Sie für unmöglich, andere für „heikel, aber nicht unmöglich“ (z. B. nach einem Zerwürfnis oder wenn ein Kollege Vorgesetzter wird).

Achtung: Ein einseitiges Du „von oben“ ohne Angebot (Vorgesetzte duzt, Mitarbeitende sollen siezen) wirkt herablassend – der Knigge-Rat nennt es inkonsequent und warnt, es könne als bewusst aufgebautes Machtgefälle wahrgenommen werden. Ebenso respektlos: Ältere, Pflegebedürftige oder Servicepersonal ungefragt duzen.

Arbeit

  • Neu im Betrieb: Erst siezen und abwarten, bis das Du angeboten wird – auch wenn alle anderen sich duzen. Oft klärt sich das am ersten Tag.
  • Firmenweites Du: Immer mehr Unternehmen in Deutschland duzen generell; die Ablehnung ist dann unüblich. Der Knigge-Rat hält dagegen: Pauschales Duzen zur Aufnahmebedingung zu machen, widerspreche Mündigkeit und Selbstbestimmung – wer sich vereinnahmt fühlt, darf freundlich beim Sie bleiben.
  • Hamburger Sie: Vorname + Sie („Sabine, haben Sie kurz Zeit?“) – laut Wikipedia ein Mittelweg, teils einseitig von Ranghöheren gegenüber Untergebenen, zunehmend auch gegenseitig in international tätigen Unternehmen.
  • Münchner Du (auch „Kassiererinnen-Du“): Nachname + Du, mit oder ohne Herr/Frau („Frau Huber, hast du …“) – das Gegenstück zum Hamburger Sie (Wikipedia).
  • Kunden gegenüber: Sie, außer die Marke duzt bewusst (z. B. in der Werbung) oder der Kunde bietet es an. Duzt etwa eine Versicherung in automatisierten Mails, ist das laut Knigge-Rat Teil der Marketingstrategie – im Gespräch mit der Beraterin darf man selbst entscheiden, wie man angesprochen werden möchte.
  • Bewerbung: Im Anschreiben und im Vorstellungsgespräch zunächst beim Sie bleiben (Knigge-Rat).

Online und Messenger

  • Soziale Netzwerke mit Freizeitcharakter (Instagram, Facebook, Foren): Du ist angemessen; auf TikTok wird es laut Knigge-Rat sogar erwartet.
  • Business-Netzwerke (LinkedIn, XING): Der Knigge-Rat empfiehlt, zunächst das „Sie“ zu verwenden, besonders im Erstkontakt und bis eine engere Beziehung besteht. Viele duzen dort trotzdem, besonders in Tech/Marketing – dann den Ton der ersten Antwort übernehmen (Erfahrungswert).
  • E-Mail: Anrede wie im persönlichen Kontakt. Wer im Gespräch geduzt hat, duzt auch per Mail.
  • Kleinschreibung: Die Anredepronomen „du/dein“ werden in der Regel klein geschrieben; bei direkter Ansprache des Lesers, etwa in Briefen, ist Großschreibung („Du“) zulässig. Die Höflichkeitsform „Sie/Ihr/Ihnen“ wird immer groß geschrieben (Wikipedia: Großschreibung).

Häufige Fehler

  • Nach dem ersten Bier mit Chef/Chefin am nächsten Morgen weiter duzen, ohne dass es ausdrücklich angeboten war.
  • Im Kundengespräch duzen, weil man es aus dem Team so gewohnt ist.
  • Das Du ablehnen, ohne einen freundlichen Satz dazu.
  • In der Gruppe einige duzen, andere siezen, ohne das zu erklären.

Siehe auch: Begrüßung und Vorstellen, Kommunikation: Mails und Messenger

Quellen 14

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