Sonstiges

Hausapotheke und Verbandskasten

Mit Abschnitt „Nur Deutschland“17 Quellen
Kurz gesagt

Eine Hausapotheke enthält Verbandmaterial, wenige bewährte Medikamente für häufige Beschwerden, ein Fieberthermometer und eine Notfallnummern-Liste. Sie gehört an einen kühlen, trockenen, dunklen und für Kinder unerreichbaren Ort – nicht ins Badezimmer. Einmal im Jahr prüfen; abgelaufene Arzneimittel nie in Toilette oder Spüle, sondern nach örtlicher Regel entsorgen (in Deutschland vielerorts Restmüll).

Achtung: Welche Medikamente in die eigene Hausapotheke gehören, hängt von Alter, Vorerkrankungen und Dauermedikation ab. Bei Kindern, Schwangeren, älteren Menschen und Dauermedikation in der Apotheke oder beim Hausarzt beraten lassen. Kinder brauchen eigene, altersgerechte Präparate und Dosierungen.

Verbandmaterial (Grundausstattung)

Praktisch: einen fertigen Verbandkasten (z. B. Kfz- oder Betriebsverbandkasten) kaufen und um Haushaltsbedarf ergänzen; fehlt darin ein Brandwunden-Verbandtuch, separat dazukaufen. Deutsche Normkästen (DIN 13164/13157) → siehe Abschnitt Nur Deutschland.

Inhalt Wofür
Pflaster als Rolle (z. B. 5 m × 2,5 cm) und Pflasterstrips in verschiedenen Größen, Fingerkuppen-/Fingerverbände Kleine Schnitte, Fixieren
Sterile Kompressen (z. B. 10 × 10 cm) Wundauflage
Verbandpäckchen (klein, mittel, groß) Druckverband, größere Wunden
Verbandtuch / Brandwunden-Verbandtuch (metallisiert; nicht mehr Teil von DIN 13164:2022) Großflächige Wunden, Verbrennungen
Mullbinden und elastische Binden Fixieren, Kompression (Prellung)
Dreiecktuch Armschlinge, Polster
Rettungsdecke (gold/silber) Wärmeerhalt bei Schock, Unterkühlung
Erste-Hilfe-Schere (abgewinkelt, stumpf) Verband/Kleidung schneiden
Einmalhandschuhe (Nitril) Eigenschutz
Medizinische Gesichtsmasken (seit DIN 13164:2022 im Kfz-Kasten) Eigenschutz bei der Ersten Hilfe
Pinzette (Zeckenzange/-karte) Splitter, Stachel, Zecken
Wunddesinfektionsmittel (z. B. Octenidin- oder Polyhexanid-haltig) Wundreinigung
Kühlpack (Kühlschrank/Gefrierfach) Prellungen, Stiche – nur mit Tuch auf die Haut
Erste-Hilfe-Anleitung Nachschlagen im Notfall

Hausapotheke (Medikamente und Hilfsmittel)

Bereich Beispiele (Wirkstoffe) Hinweis
Schmerzen und Fieber Paracetamol, Ibuprofen Dosierung und Gegenanzeigen beachten (Magen, Leber, Blutverdünner); für Kinder Saft/Zäpfchen in Kinderdosierung
Fieberthermometer Digital Kein Quecksilber
Erkältung Kochsalz-Nasenspray/-spülung, abschwellendes Nasenspray (nur kurzzeitig für einige Tage, laut Beipackzettel), Halstabletten
Durchfall Elektrolyt-Lösung (Pulver) Bei Kindern und Älteren besonders wichtig; blutiger Durchfall/hohes Fieber → Arzt
Magen-Darm Mittel gegen Sodbrennen, ggf. gegen Übelkeit
Allergie Antihistaminikum-Tabletten (z. B. Cetirizin, Loratadin) Ersetzt kein ärztlich verordnetes Notfallset
Haut Kühlendes Gel/Antihistaminika-Gel (Stiche, Sonnenbrand), Wund- und Heilsalbe, Brand- und Wundgel Keine Salbe auf frische, größere Brandwunden
Sonstiges Persönliche Dauermedikamente (Vorrat für einige Tage), Notfallset bei bekannter Allergie
Info Liste mit Notrufnummern, Giftnotruf, Hausarzt, Kinderarzt, Apothekennotdienst; Medikamentenplan; Allergie- und Impfausweis-Kopie Siehe Erste-Hilfe-im-Haushalt</td> </tr> </tbody> </table></div> <p><strong>Nicht nötig/weniger sinnvoll:</strong> große Vorräte an Antibiotika-Resten (nie eigenmächtig einnehmen), Kombipräparate, „für alle Fälle“-Sammlungen.</p> <h2>Lagerung</h2> <ol> <li><strong>Kühl (die meisten Arzneimittel am besten bei 15–25 °C, aponet.de), trocken, dunkel</strong> – z. B. Schrank im Schlafzimmer, Flur oder Abstellraum, nicht auf der sonnigen Fensterbank.</li> <li><strong>Nicht im Badezimmer</strong> und nicht in der Küche: Feuchtigkeit und starke Temperaturschwankungen können Arzneimittel schädigen und unwirksam machen (gesund.bund.de, Apotheken Umschau). Geeignet: Schlafzimmer, Flur, Abstellkammer.</li> <li><strong>Kindersicher:</strong> Mit Kindern im Haushalt muss der Schrank bzw. Koffer <strong>abschließbar</strong> sein – eine Kiste im obersten Schrankfach genügt laut Apotheken Umschau nicht (Kinder klettern!).</li> <li>Medikamente in <strong>Originalverpackung mit Beipackzettel</strong> aufbewahren – Verfallsdatum und Dosierung bleiben nachvollziehbar.</li> <li>Kühlpflichtige Arzneimittel (z. B. Insulin, manche Augentropfen, Säfte nach Zubereitung) laut Packung im Kühlschrank (2–8 °C, aponet.de), nicht im Gefrierfach und nicht direkt an der Rückwand.</li> <li>Hausapotheke und Verbandkasten an einem <strong>festen Platz</strong>, damit sie im Notfall nicht gesucht werden müssen. Ein separater Verbandkasten (ohne Medikamente) kann auch in der Küche stehen – Verbandmaterial ist unempfindlicher als Tabletten (Erfahrungswert).</li> </ol> <h2>Ablaufdaten</h2> <div class="table-wrap"><table> <thead> <tr> <th>Was</th> <th>Regel</th> </tr> </thead> <tbody> <tr> <td>Ungeöffnete Medikamente</td> <td>Bis zum aufgedruckten <strong>Verfallsdatum</strong> („verwendbar bis“)</td> </tr> <tr> <td><strong>Angebrochene</strong> flüssige Arzneimittel (Säfte, Tropfen, Augentropfen, Nasenspray, Salben in Tuben)</td> <td>Haltbarkeit nach Anbruch laut <strong>Beipackzettel</strong> – oft nur Wochen (z. B. Augentropfen laut Beipackzetteln häufig höchstens 4–6 Wochen nach Anbruch, bei Raumtemperatur; einzelne Präparate auch länger). <strong>Anbruchdatum auf die Packung schreiben.</strong></td> </tr> <tr> <td>Steriles Verbandmaterial</td> <td>Hat ein Verfallsdatum (Sterilität); abgelaufenes Material kann für Übungen oder unsterile Zwecke verwendet werden</td> </tr> <tr> <td>Einmalhandschuhe, Pflaster</td> <td>Werden porös bzw. kleben nicht mehr – beim Check prüfen</td> </tr> <tr> <td>Veränderte Medikamente</td> <td>Verfärbt, zerbröselt, verklumpt, ungewöhnlicher Geruch, Zäpfchen verformt → entsorgen, auch vor Ablauf</td> </tr> </tbody> </table></div> <p><strong>Jährlicher Check:</strong> Mindestens einmal im Jahr (Apotheken Umschau) alles durchsehen, Abgelaufenes entsorgen, Verbrauchtes nachkaufen, Notfallliste aktualisieren – Termin in [[[WL:Jaehrlich.

Medikamente entsorgen

  1. Niemals in Toilette oder Spüle – Arzneimittelwirkstoffe werden in Kläranlagen nicht vollständig abgebaut und belasten Gewässer.
  2. Wie Altmedikamente entsorgt werden (Restmüll, Schadstoffsammlung oder Rückgabe an die Apotheke), ist je nach Land und Gemeinde verschieden – beim örtlichen Abfallbetrieb oder in der Apotheke nachfragen → siehe Abschnitt Nur Deutschland. Immer verpackt (z. B. in Zeitungspapier/undurchsichtiger Tüte), damit Kinder und andere sie nicht herausnehmen.
  3. Zytostatika (Krebs-, teils Rheumamedikamente) nie in den Restmüll – Entsorgung nach Anweisung der Praxis.
  4. Spritzen/Kanülen in stichfestem, verschließbarem Behälter (z. B. Marmeladenglas) sammeln; wohin damit, nach örtlicher Regel.
  5. Leere Verpackungen (Faltschachtel, Beipackzettel, Blister, Glasflaschen) nach dem örtlichen Trennsystem entsorgen.
  6. Fieberthermometer mit Quecksilber und Batterien: Sondermüll bzw. Rückgabe – siehe Sondermüll und Rückgabe.

Häufige Fehler

  • Hausapotheke im Badezimmerschrank.
  • Medikamente ohne Packung und Beipackzettel in Dosen sammeln.
  • Angebrochene Augentropfen oder Säfte monatelang weiterverwenden.
  • Reste verordneter Antibiotika „für das nächste Mal“ aufheben.
  • Medikamente in die Toilette spülen.
  • Verbandkasten erst im Notfall suchen müssen.

Nur Deutschland

Gilt nur für Deutschland bzw. hängt von Ort, Mietvertrag oder Gemeinde ab. Im Ausland die örtlichen Regeln prüfen.

Verbandkasten nach DIN

Praktisch: einen Verbandkasten nach DIN 13164 (Kfz-Verbandkasten, aktuelle Ausgabe 2022-02) oder DIN 13157 (Betriebsverbandkasten) kaufen und um Haushaltsbedarf ergänzen. Gegenüber der Ausgabe 2014 enthält der Kfz-Kasten laut DIN Media zwei Gesichtsmasken (mind. DIN EN 14683 Typ I), nur noch ein statt zwei Dreiecktüchern, und das Brandwunden-Verbandtuch (DIN 13152-BR) wurde gestrichen – wer es für Küchenunfälle haben möchte, kauft es separat dazu.

Medikamente entsorgen

  1. In vielen Regionen: in den Restmüll (er wird dort vollständig verbrannt; Stiftung Warentest, UBA). Ausnahme z. B. Berlin: dort Schadstoffmobil/Recyclinghof (Apotheken Umschau nach arzneimittelentsorgung.de).
  2. Wo das nicht vorgesehen ist: Schadstoffmobil/Wertstoffhof oder Apotheke (manche Apotheken nehmen freiwillig zurück – vorher fragen; sie sind nicht dazu verpflichtet).
  3. Den regional richtigen Weg zeigt das Portal arzneimittelentsorgung.de (Suche nach Postleitzahl) oder der örtliche Abfallbetrieb.
  4. Spritzen/Kanülen im stichfesten Behälter in den Restmüll (Stiftung Warentest; regionale Regeln beachten).
  5. Leere Verpackungen: Faltschachtel und Beipackzettel ins Altpapier, leere Blister in den Gelben Sack/die Wertstofftonne (Stiftung Warentest). Glasflaschen (leer) in den Altglascontainer.

Verwandte Notizen

Quellen 17

Nicht geprüft (Seite nicht erreichbar):

Hinweis: Die genaue Stückliste der DIN 13164 ist hier nach Kategorien wiedergegeben (Normtext kostenpflichtig, geprüft wurde nur der öffentliche Änderungsvermerk); Lagertemperaturen und Anbruchfristen gelten nach Packungsbeilage des jeweiligen Präparats.

Stand November 2026 · 105 Notizen · 1758 Quellenangaben · Angaben ohne Gewähr, im Zweifel Herstellerangaben und örtliche Regeln beachten.