Knigge

Als Gast

13 Quellen
Kurz gesagt

Einladungen zeitnah und verbindlich beantworten, pünktlich zur genannten Zeit (nie zu früh) kommen, eine kleine Aufmerksamkeit mitbringen, nach den Schuhen fragen statt zu raten, und sich am nächsten Tag kurz bedanken.

Zu- oder absagen

  1. Möglichst zeitnah und verbindlich zu- oder absagen, damit die Gastgeber planen können (Knigge-Rat) – spätestens bis zur genannten Frist; bei „u. A. w. g.“ (um Antwort wird gebeten) auch bei Zusage.
  2. Möglichst auf demselben Weg antworten (Karte → Karte, Mail → Mail, Messenger → Messenger).
  3. Allergien, Unverträglichkeiten oder vegetarische/vegane Ernährung bei der Zusage nennen, wenn nicht ohnehin gefragt wird.
  4. Nur mitbringen, wer eingeladen ist (Partner, Kinder, Hund) – im Zweifel fragen.
  5. Kurzfristige Absage nur aus triftigem Grund, dann persönlich (Anruf statt Emoji).

Pünktlichkeit

Anlass Wann kommen
Essenseinladung („um 19 Uhr“) zur genannten Zeit; nie zu früh – zu frühes Eintreffen ist laut Knigge-Rat ebenso unhöflich wie zu spätes
Party („ab 20 Uhr“) Zeitfenster; 30–60 Minuten später ist üblich
Kaffee bei Älteren, Behörde, Arzt pünktlich
  • Zu früh? Eine Runde um den Block gehen – Gastgeber sind in den letzten Minuten oft noch beschäftigt.
  • Verspätung: Fünf Minuten gelten laut Knigge-Rat als akzeptabel; bis zu einer Viertelstunde nur mit gutem Grund und wenn man die Wartenden kurz informiert. Alles darüber hinaus ist unhöflich.
  • Formulierung „um“ statt „ab“ signalisiert laut Moritz Freiherr Knigge, dass Pünktlichkeit erwartet wird (Interview bei t-online, nicht geprüft).

Mitbringsel

Ein Gastgeschenk ist üblich, muss aber weder groß noch teuer sein – etwa Blumen, Wein oder Sekt, ein Buch oder etwas, das den Gastgebern erkennbar Freude macht (Knigge-Rat). Die Euro-Beträge sind Erfahrungswerte.

Gelegenheit Passend Richtwert
Abendessen bei Freunden Wein, Sekt, Pralinen, Blumen, Selbstgemachtes ca. 10–20 €
Kaffeebesuch Blumen, Pralinen, Gebäck ca. 5–15 €
Party Getränke, Snack nach Absprache –
Einzug Brot und Salz (siehe [[[WL:Geschenke ]]])
  • Blumen: Vorher auspacken (Papier selbst entsorgen bzw. mitnehmen), dann überreichen. Gastgeber zuerst begrüßen, dann Blumen geben. Ein bunter Strauß ist unverfänglich; Chrysanthemen sind in einigen Kulturen Grabblumen, rote Rosen haben romantische Bedeutung.
  • Wein: Gastgeber müssen das Mitbringsel nicht am selben Abend servieren. Dazusagen: „Für euch – für einen anderen Abend.“
  • Alkoholfreie Haushalte: Bei Gastgebern, die keinen Alkohol trinken, lieber Pralinen, Tee, Blumen.
  • Eigenes Essen nur nach Absprache mitbringen – sonst wirkt es, als traue man der Küche nicht.

Schuhe ausziehen?

In vielen deutschen Haushalten zieht man Straßenschuhe aus, in anderen nicht – einheitliche Regel gibt es nicht. Die folgenden Punkte sind gängige Praxis (nicht geprüft).

  1. Beim Betreten fragen: „Soll ich die Schuhe ausziehen?“
  2. Häufig sagt es der Gastgeber von selbst.
  3. Bei festlichen Anlässen: Wer Wert auf Schuhfreiheit legt und Gäste in Abendgarderobe erwartet, weist vorher darauf hin. Als Gast kann man saubere Hausschuhe oder dicke Socken mitbringen.
  4. Löchrige Socken vermeiden.

Während des Besuchs

  • Nicht ungefragt in andere Räume oder Schränke schauen – „Fühlen Sie sich wie zu Hause“ ist nicht wörtlich gemeint. Offen stehende Bücher oder Bilder anzusehen ist in Ordnung und oft ein guter Gesprächsanlass (Knigge-Rat).
  • Wenn die Gastgeber gerade beschäftigt sind, selbst auf andere Gäste zugehen und sich mit Namen (ohne Titel) und dem Bezug zu den Gastgebern vorstellen (Knigge-Rat); siehe Begrüßung und Vorstellen.
  • Etwas Nettes sagen – das Essen, die Aussicht oder notfalls „die Vase loben“, in die die Blumen gestellt wurden (Knigge-Rat).
  • Handy lautlos und weg (siehe Tischmanieren).
  • Hilfe anbieten (abräumen), aber ein „Nein, bleib sitzen“ akzeptieren.
  • Rauchen nur nach Absprache und draußen.
  • Nicht ohne Abschied gehen („polnischer Abgang“ bzw. „Ghosting“ bei der Party): Mindestens Gastgeber verabschieden und bedanken.
  • Rechtzeitig gehen: Fragen die Gastgeber nach dem „letzten Getränk“ oder dem Programm am nächsten Tag, räumen sie auf oder bieten Kaffee „zum Abschluss“ an, ist das ein Signal (Knigge-Rat).
  • Wer früher gehen muss, wählt einen günstigen Moment und verabschiedet sich diskret, damit es nicht als allgemeines Aufbruchssignal wirkt (Knigge-Rat).

Dankeschön danach

  • Am nächsten Tag: mündlich oder schriftlich noch einmal danken („Danke für den schönen Abend, das Risotto war großartig!“); wer kein Gastgeschenk mitgebracht hat, kann Blumen nachsenden (Knigge-Rat).
  • Bei formellen Einladungen (Hochzeit, runder Geburtstag, Essen beim Chef): Karte oder Brief innerhalb von 1–2 Wochen.
  • Gegeneinladung: Laut Knigge-Rat keine Verpflichtung, aber eine schöne Geste, um sich zu revanchieren und die Beziehung zu festigen – nicht sofort, eher innerhalb einiger Monate (Erfahrungswert).

Übernachtungsgast

Feste Knigge-Regeln zur Dauer fanden sich nicht; die folgenden Punkte sind gängige Praxis:

  1. Dauer vorher klar absprechen (An- und Abreisetag, Uhrzeit).
  2. Eigene Handtücher/Hausschuhe anbieten mitzubringen, wenn der Platz knapp ist.
  3. Morgens: nicht zu früh durchs Haus geistern, Bad zügig nutzen, Bett machen.
  4. Beitrag leisten: einmal einkaufen, kochen oder zum Essen einladen; Mitbringsel für die Familie.
  5. Zimmer aufgeräumt hinterlassen; Bettwäsche abziehen und fragen, wohin damit.
  6. Eigenen Tagesplan haben – Gastgeber müssen nicht dauerhaft unterhalten.
  7. Danach: Dankesnachricht, bei längeren Aufenthalten kleines Geschenk.

Mietrecht am Rande: Besucher sind keine Untermieter. Mieter dürfen laut Deutschem Mieterbund und Berliner Mieterverein etwa 6–8 Wochen Besuch aufnehmen, ohne den Vermieter zu fragen oder zu informieren; Geld sollte dafür nicht fließen. Bleibt jemand länger, kann das als (erlaubnispflichtige) Überlassung an Dritte gelten – die Grenze ist ein Richtwert aus der Rechtsprechung, kein Gesetz.

Häufige Fehler

  • Zu früh klingeln.
  • Unangekündigt Begleitung mitbringen.
  • Blumen in Folie überreichen und den Gastgeber eine Vase suchen lassen, während alle im Flur stehen – besser: kurz sagen „Lass dir Zeit, ich halte sie so lange“.
  • Sich ohne Abschied davonschleichen.
  • Kein Dank nach dem Besuch.

Siehe auch: Als Gastgeber, Geschenke, Tischmanieren

Quellen 13

Nicht geprüft (Seite nicht erreichbar):