Knigge

Begrüßung und Vorstellen

14 Quellen
Kurz gesagt

Wer einen Raum betritt oder den anderen zuerst sieht, grüßt zuerst. Beim Vorstellen erfährt die ranghöhere bzw. ältere Person zuerst, wer die andere ist. Ob man die Hand gibt, ist seit der Corona-Zeit eine Frage des Gegenübers: anbieten ja, aufdrängen nein.

Wer grüßt wen zuerst?

Situation Wer grüßt zuerst Anmerkung
Jemand betritt einen Raum (Büro, Wartezimmer, Aufzug, Geschäft) die Person, die hereinkommt gilt laut Knigge-Rat unabhängig von Hierarchie, Geschlecht und Alter
Privat, zufällige Begegnung (Flur, Straße, Treppenhaus) wer den anderen zuerst sieht Knigge-Rat
Beruf Rangniedrigere grüßt Ranghöhere Knigge-Rat; Geschlecht spielt im Job keine Rolle
Privat, traditionell Mann grüßt Frau, Jüngere grüßen Ältere ältere Regel, wird heute locker gehandhabt

Grüßen oder begrüßen? Der Knigge-Rat unterscheidet: Auf der Straße oder im Aufzug reicht ein Gruß ohne Körperkontakt; erst die Berührung (Handschlag, Umarmung) macht daraus eine Begrüßung – die passt zu Menschen, die man kennt, oder bei Treffen und Anlässen.

Spielraum: Die alte Regel „Herr grüßt Dame zuerst“ findet man noch in vielen Ratgebern, andere Quellen halten sie für überholt. Wer wartet, bis „der Richtige“ zuerst grüßt, wirkt unhöflicher als jemand, der einfach selbst grüßt.

Hand geben – ja oder nein?

  • Regel laut Knigge-Rat: Beruflich entscheidet die ranghöhere Person – oder der Kunde bzw. Gast –, ob die Hand gereicht wird; privat dürfen Damen und ältere Personen entscheiden. Weil viele diese Regel nicht mehr kennen, rät der Knigge-Rat, aufmerksam zu sein und im Zweifel einfach anzusprechen, was erwartet wird. Der Handschlag mit der rechten Hand ist in Deutschland die gängige Begrüßung; wer zu einer Gruppe stößt, gibt klassischerweise allen die Hand (Erfahrungswert).
  • Seit Corona: Knigge-Fachleute waren sich uneinig, ob der Handschlag zurückkehrt. Der Knigge-Rat bedauert 2026, dass der Handschlag seit der Pandemie an Bedeutung verloren hat, und plädiert dafür, ihn wieder bewusster einzusetzen. Konsens: Wer merkt, dass das Gegenüber keinen Handschlag möchte, respektiert das.
  • Stand heute (Erfahrungswert): Im Berufsleben ist der Handschlag weitgehend zurück, privat wird oft nur genickt, gewunken oder umarmt. Ein freundliches „Hallo“ mit Blickkontakt ist immer korrekt.

So geht ein guter Händedruck

  1. Rechte Hand, Blickkontakt halten.
  2. Nicht zu fest, aber auch nicht zu lasch; ganze Hand umfassen (nicht nur die Finger).
  3. Kurz halten – die Hand wird nicht mehrmals geschüttelt (Knigge-Rat); dazu Blickkontakt und ein Lächeln.
  4. Linke Hand nicht in der Hosentasche, nicht zusätzlich auf Schulter oder Arm legen (wirkt dominant).
  5. Im Sitzen: zur Begrüßung aufstehen – laut Knigge-Rat ein Zeichen des Respekts, für Damen wie Herren, in jedem Umfeld.

Alternativen

Geste Wirkung
Nicken + Lächeln neutral, immer möglich
Hand aufs Herz freundlich, ohne Körperkontakt
Umarmung, Wangenkuss nur bei vertrauten Personen und wenn das Gegenüber es erkennbar möchte
„Ghetto-Faust“, Ellbogengruß von Knigge-Trainerinnen kritisch gesehen; laut Knigge-Rat werden Faust- oder Ellbogengruß der Bedeutung eines Händedrucks nicht gerecht; im Beruf unpassend

Lehnt jemand die Hand ab: kommentarlos zurückziehen, freundlich weiterreden. Wer selbst nicht die Hand geben will, sagt kurz: „Ich gebe gerade keine Hand – freut mich trotzdem sehr!“

Andere vorstellen

Grundregel: Die „weniger gewichtige“ Person wird der „gewichtigeren“ vorgestellt, d. h. die ranghöhere/ältere Person erfährt zuerst, wer der Neue ist.

Kontext Wer wird wem vorgestellt
Beruf Rangniedrigere → Ranghöhere (unabhängig von Geschlecht/Alter)
Privat Jüngere → Ältere; bei gleicher Generation Herr → Dame (Knigge-Rat)
Beruf, gleicher Rang Herr → Dame (Knigge-Rat)
Einzelperson und Gruppe Einzelperson → Gruppe
Konflikt (z. B. älterer Mann, jüngere Frau) nach Situation entscheiden; Alter wiegt heute meist schwerer

Schritt für Schritt

  1. Ansprechen der „wichtigeren“ Person: „Frau Dr. Weber, darf ich Ihnen Herrn Klein vorstellen?“
  2. Name + kurzer Kontext: „… er ist unser neuer Nachbar aus dem 2. Stock.“
  3. Umgekehrt: „Herr Klein, das ist Frau Dr. Weber, sie leitet den Chor.“
  4. Ein Gesprächsthema mitgeben („Sie gehen beide gern wandern“), dann zurücktreten.

Titel: Beim Vorstellen anderer nennt man akademische Titel mit („Frau Dr. Weber“). Wer sich selbst vorstellt, nennt nur den Namen ohne Titel (Knigge-Rat), am besten mit einem Hinweis auf den Bezug zu Gastgebern oder Anlass.

Sich selbst vorstellen

  • Immer mit Vor- und Nachnamen, bei Fremden ggf. mit Funktion oder Anliegen: „Guten Tag, Lena Schulz – ich wohne nebenan.“
  • „Angenehm“ oder „Sehr erfreut“ gelten heute als steif; „Schön, Sie kennenzulernen“ oder „Freut mich“ ist üblich.

Namen merken

Utopia nennt als Merktechniken: Namen laut wiederholen, eine Eselsbrücke zu einem prägnanten Merkmal der Person bauen (oder sich die Person bei einer passenden Handlung vorstellen, z. B. Frau Gärtner beim Blumengießen) und den Namen direkt mit Kontaktdaten notieren (Punkte 2, 4 und 6). Die übrigen Punkte sind verbreitete Praxis (nicht geprüft):

  1. Beim Vorstellen bewusst zuhören statt schon die eigene Antwort zu planen.
  2. Namen sofort einmal laut wiederholen: „Freut mich, Frau Yilmaz.“ – oder nach der Schreibweise fragen („Fynn mit y oder i?“).
  3. Nicht verstanden? Direkt nachfragen oder buchstabieren lassen – das gilt laut Ratgebern als höflich, auch bei scheinbar einfachen Namen.
  4. Namen mit einem Merkmal oder einer Eselsbrücke verknüpfen.
  5. Im Gespräch noch 1–2-mal verwenden, beim Abschied erneut.
  6. Notieren (z. B. im Handy-Kontakt mit Kontext „Nachbarin 3. OG, Hund Bruno“).

Namen vergessen? Offen sagen: „Entschuldigung, Ihr Name ist mir gerade entfallen.“ Das ist besser als wochenlanges Ausweichen.

Häufige Fehler

  • Sitzen bleiben, während man begrüßt wird.
  • Hand reichen, während man mit der anderen Hand telefoniert oder das Handy hält.
  • Händedruck verweigern, ohne es kurz freundlich zu erklären.
  • Personen in einer Runde nicht vorstellen und „unter sich“ weiterreden.
  • Sich selbst mit Titel vorstellen („Ich bin Dr. Müller“).

Siehe auch: Du oder Sie, Alltag und Öffentlichkeit, Als Gastgeber

Quellen 14

Nicht geprüft (Seite nicht erreichbar):