Knigge

Restaurant und Trinkgeld

Überwiegend Deutschland16 Quellen
Kurz gesagt

Reservierungen absagen, sobald klar ist, dass man nicht kommt. Wer einlädt, bezahlt. Trinkgeld ist in Deutschland freiwillig; der Knigge-Rat nennt im Restaurant 5–10 % und rät, es bar zu geben. Im Taxi aufrunden bzw. 1–3 €, beim Friseur je nach Leistung (Utopia).

Reservieren

  1. Telefonisch oder online reservieren; Personenzahl, Uhrzeit, Name, ggf. Kinderstuhl/Allergien/Rollstuhl angeben.
  2. Verspätung: Pünktlich heißt laut Knigge-Rat zum verabredeten Zeitpunkt: 5 Minuten Verspätung sind akzeptabel, bis zu einer Viertelstunde nur mit gutem Grund und kurzer Information. Wird es später, im Restaurant anrufen.
  3. Absagen: Sobald klar ist, dass es nicht klappt, kurz anrufen oder eine E-Mail schreiben, damit der Tisch neu vergeben werden kann – das hat laut Knigge-Rat „etwas mit Anstand und Höflichkeit zu tun“.
  4. Personenzahl ändert sich: Kurz durchgeben.

Achtung: Immer mehr Restaurants und Hotels verlangen No-Show-Gebühren (auch der Knigge-Rat weist darauf hin), oft mit hinterlegter Kreditkarte. Wer unentschuldigt fernbleibt, kann zahlen müssen, wenn die Gebühr vorher vereinbart war. Stornobedingungen bei der Buchung lesen.

Ankommen und Bestellen

  • Am Eingang warten, bis man platziert wird (außer in Gaststätten mit freier Platzwahl).
  • Gastgeber bzw. Einladende lassen Gäste den besseren Platz (Blick in den Raum).
  • Servicekraft mit erhobener Hand oder einigen Sekunden Blickkontakt auf sich aufmerksam machen – nicht mit den Fingern schnippen, nicht mit den Armen wedeln (Knigge-Rat), nicht „Hallo!“ rufen.
  • Handy, Schlüssel und Geldbeutel gehören nicht auf den Tisch (Knigge-Rat), siehe Tischmanieren.
  • Wer bestellt zuerst? Der Knigge-Rat empfiehlt, als Einladende/r den Gast zuerst bestellen zu lassen und ihm ggf. eine Empfehlung als „Orientierungshilfe“ zu geben. Andere Ratgeber raten, mit der eigenen Bestellung den Preisrahmen vorzugeben („Ich nehme Vorspeise und Hauptgang – bitte bestellt, worauf ihr Lust habt.“). Gäste bestellen nicht das teuerste Gericht.
  • Probieren beim anderen: nicht mit dem Besteck in den fremden Hauptgang greifen, sondern über den Brotteller teilen – und nur bei Menschen, die man gut kennt (Knigge-Rat).
  • Reklamation: sofort, ruhig und konkret („Das Steak ist innen kalt, könnten Sie es bitte noch einmal …?“), nicht erst beim Bezahlen.

Bezahlen und Einladen

Situation Wer zahlt
„Ich lade dich ein“ die einladende Person, komplett inkl. Trinkgeld
Verabredung ohne ausdrückliche Einladung jeder selbst; in Deutschland ist getrenntes Zahlen völlig üblich
Geschäftsessen wer eingeladen hat bzw. die Firma
Date heute offen: wer eingeladen hat, oder getrennt; anbieten statt erwarten
  • Getrennt zahlen: In Deutschland üblich und vom Service erwartet („Zusammen oder getrennt?“). Bei großen Gruppen vorher ankündigen.
  • Diskret zahlen: Wer einlädt, bereitet die Zahlung vor und sorgt dafür, dass der Service weiß, wer Gastgeber ist – so entsteht kein unangenehmer Moment am Tisch (Knigge-Rat).
  • Beim Verlangen der Rechnung gleich sagen, ob bar oder mit Karte gezahlt wird – dann muss die Servicekraft nicht zweimal laufen (Knigge-Rat).
  • Trinkgeld bar oder per Karte? Der Knigge-Rat empfiehlt, Trinkgeld immer bar zu geben: Elektronisches Trinkgeld wird durch Karten- und Nutzungsgebühren geschmälert, und bar kommt es sicher bei der richtigen Person an. Wer trotzdem mit Karte zahlt, nennt den Betrag inklusive Trinkgeld direkt beim Bezahlen: Rechnung 46,50 € → „Machen Sie 51“ oder „52 bitte“.

Trinkgeld-Tabelle Deutschland

Trinkgeld ist freiwillig; die Höhe richtet sich laut Knigge-Rat nach Rechnungsbetrag und Anlass, für die Gastronomie empfiehlt er 5–10 %; ebenso Linda Kaiser, stellvertretende Vorsitzende der Deutschen Knigge-Gesellschaft (über Utopia). Die Werte für Taxi, Friseur, Lieferdienst, Handwerk und Hotel sind Richtwerte aus Ratgebern; wo Utopia (mit Linda Kaiser) andere Zahlen nennt, stehen beide Angaben in der Tabelle. Die übrigen Werte sind nicht geprüft. Mehrere Quellen berichten, dass Gäste wegen der Inflation zurückhaltender geworden sind.

Bereich Üblich Hinweise
Restaurant 5–10 % ca. 10 % bei gutem Service; bei hohen Rechnungen reichen ~5 % (z. B. 285 € → 300 €)
Café, Kneipe, Bar aufrunden, ca. 5–10 % Kaffee 3,20 € → 3,50 €
Taxi aufrunden bzw. 1–3 € pro Fahrt (Utopia); andere Ratgeber nennen 5–10 % (nicht geprüft) bei besonderem Service (Gepäck, trotz Stau pünktlich) mehr
Friseur Utopia: je nach Leistung 1 € bis 10 oder 20 €; oft ca. 10 % genannt (nicht geprüft) kleinere Beträge für Handreichungen (z. B. Haare waschen), größere für Schneiden und Stylen; oft gibt es eine Kaffeekasse (Utopia)
Lieferdienst (Pizza, Lebensmittel) wie im Restaurant ca. 10 %, unter 20 € auch 1–2 € (Utopia) mehr bei erschwerten Bedingungen (Regen, 5. Stock ohne Lift); gilt laut Utopia auch für Paketboten. Ob App-Trinkgeld beim Fahrer ankommt, hängt vom Anbieter ab (nicht geprüft)
Handwerker kein Muss; Betrag nach Service und Komplexität der Arbeit (Utopia) Getränke und ein Snack sind eine willkommene Alternative (Utopia); „5–10 € pro Person“ ist nicht geprüft
Hotel – Gepäck Utopia: 0,50–1 € pro Leistung; andere Ratgeber 1–2 € pro Gepäckstück (nicht geprüft) Kleingeld bereithalten
Hotel – Zimmerreinigung Utopia: rund 1 € pro Übernachtung; andere Ratgeber 2–5 € pro Tag (nicht geprüft) gut sichtbar aufs Kopfkissen legen, damit klar ist, dass es Trinkgeld ist (Utopia); täglich hinterlassen, weil das Personal wechselt
Paketbote, Müllabfuhr kein Muss traditionell kleine Aufmerksamkeit zu Weihnachten; manche Stadtverwaltungen wünschen keinen Alkohol oder erlauben nur Geschenke bis zu einem kleinen Betrag (Knigge-Rat 2008: z. B. 8 €) – bei der Stadt nachfragen

Kein Trinkgeld nötig: an der Selbstbedienungstheke, bei Behörden. Bei schlechtem Service kann man es weglassen – fairer ist laut Knigge-Rat aber, die Unzufriedenheit anzusprechen, damit nicht die Servicekraft für Fehler anderer in der Servicekette „bestraft“ wird. Statt Geld kann man auch mit einem persönlichen Schreiben oder kleinen Geschenk danken. Beamte und viele Angestellte im öffentlichen Dienst dürfen Geld ohnehin nicht annehmen.

Häufige Fehler

  • Reservierung nicht absagen.
  • Trinkgeld auf dem Tisch liegen lassen, nachdem mit Karte bezahlt wurde (geht oft verloren) – besser bar direkt übergeben.
  • Als Eingeladene/r das teuerste Gericht bestellen.
  • Laut nach der Servicekraft rufen oder schnipsen.
  • Reklamation erst beim Zahlen statt direkt.

Siehe auch: Tischmanieren, Geschenke

Quellen 16

Nicht geprüft (Seite nicht erreichbar):